LI 041, Sommer 1998
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Island

Hallbinsel Snaefellsnes. Island hat die perfekteste Gesellschaft der Welt erschaffen, doch kann der Rest dieser Welt nichts von ihr lernen. Denn dieses unglaubliche Paradies ist das zufällige Ergebnis einer Geschichte und einer Geographie, die man an keinem anderen Ort kopieren und denen man nirgendwo sonst nacheifern könnte.
(...)
Dorbjörg aus Indridastadir träumte, achtzig Wölfe stürmten vorbei, denen Flammen aus den Mäulern kämen, in ihrer Mitte ein weißer Bär.
Glaumvör träumte, aus dem Umhang ihres Gatten rage ein blutiges Schwert, und mitten durchs Haus ströme ein Fluß, der all ihre Habe mit sich fortreiße.
Hersteinn Blund-Ketillson träumte, er sähe seinen Vater, der in Flammen stünde.
Àsmundar Kappabani träumte, eine Gruppe von Frauen stünde waffenschwingend über ihm und sage zu ihm: "Man erwartet von dir zu führen, dabei hast du schon vor elf Männern Angst."
König Gomr träumte, drei schwarze Ochsen entstiegen dem Meer, fräßen das Gras bis zu den Wurzeln ab und verschwänden wieder im Meer. Dann hörte er ein lautes Krachen.
Bàdr träumte, aus der Feuerstelle seines Vaters wüchse ein riesiger Baum, der über und über mit Blüten bedeckt sei, und einer der Äste sei aus purem Gold.
Gísli träumte, er ginge in ein Haus voller Freunde und Verwandter, und sie säßen an sieben Feuerstellen, einige hell lodernd, andere fast erloschen. Er träumte, eine Frau auf einem grauen Pferd käme zu ihm und lüde ihn in ihr Haus; sie wären zusammen geritten und hätten das Haus betreten, und auf den Stühlen hätten weiche Polster gelegen. Dann träumte er, eine andere Frau käme und wüsche sein Haupt mit Blut.
Blindr träumte, er sähe König Haddingrs Falken, dem alle Federn ausgerupft worden seien.
Gudrun träumte, sie trüge einen häßlichen Hut; sie wollte ihn absetzen, doch die Leute hätten gesagt, sie solle ihn aufbehalten, also habe sie ihn vom Kopf genommen und in einen Bach geworfen. Sie träumte, sie stünde an einem See und trüge einen Silberreif um den Arm, der ihr ins Wasser fiele. Sie träumte, sie trüge einen goldenen Reif um den Arm, der ihr abgleite, auf einen Felsen schlüge und zerbräche, und jedes einzelne Stück blutete. Sie träumte, sie trüge einen goldenen Helm, mit kostbaren Steinen besetzt, der so schwer gewesen sei, daß sie nicht habe laufen können.
Kostbera träumte, daß die Laken auf dem Bett ihres Mannes in Flammen stünden.
Dorkell Eyjólfsson träumte, sein Bart sei so lang, daß er das Land bedecke.
Dorgils Örrasbeinsstjúper träumte, er schaue auf seine Knie, und fünf Blutegel wüchsen daraus hervor.
Dorgils Bödvarsson träumte, eine große Frau in einem Kindermantel stünde vor seiner Tür, und sie sei sehr traurig.
Hàlfdan träumte, er hätte schöneres Haar als sonst jemand, und es wüchse ihm in allen Farben und in jeder Länge: manche reichten ihm bis zu den Knien, andere bis an die Hüften, andere bis zu den Schultern, und manche seien nur Flaum.
Ragnhildr träumte, sie zöge einen Dorn aus ihrem Kleid, und aus ihrer Hand wüchse er zu einem großen Baum heran, der unten rot, in der Mitte grün und in der Krone schneeweiß sei.
Dorsteinn Surtr träumte, er sei wach, aber alle anderen schliefen; dann träumte er, er schliefe ein, und alle anderen wachten auf.
(...)

Seitenzahl: 
Im Heft auf Seite 15
Aus dem Englischen von Peter Torberg

Genre

Hauptthema
  • Islands Kultur und Geschichte

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