LI 154, Herbst 2026
Der Mentor
Wie Roy Cohn Donald Trump alles beibrachteElementardaten
Genre: Essay
Übersetzung: Aus dem Englischen von Jürgen Ghebrezgiabiher
Textauszug: 4.452 von 51.892 Zeichen
Textauszug
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Cohn und er lernten sich in einem Nachtclub und Restaurant in der 416 East 55th Street kennen, einen halben Häuserblock vom East River entfernt. Cohn war Mitglied in dem an Silvester 1960 eröffneten Le Club. Das einzige Erkennungszeichen an dem kleinen, weiß verputzten Haus war ein Messingschild mit der Aufschrift „Members Only“.
Drinnen konnten die sechshundert Mitglieder der exklusiven Diskothek bei Kerzenlicht am offenen Kamin dinieren, bevor sie auf der Tanzfläche feierten. Im Tanzsaal hing ein riesiger belgischer Wandteppich aus dem 17. Jahrhundert. Neunzig Prozent der Mitglieder waren Männer, die eine Aufnahmegebühr von 500 Dollar und einen Jahresbeitrag von 65 Dollar zahlten. Hier traf sich der internationale Jetset. Igor Cassini, ehemaliger Gesellschaftskolumnist für die Hearst-Presse und Bruder von Oleg Cassini, Jacqueline Kennedys Lieblingscouturier, war Vorstandsvorsitzender.
„Das war so ein Laden, wo du den reichen fünfundsiebzigjährigen Kerl mit drei Blondinen aus Schweden hereinkommen siehst“, schrieb Trump 1987 in seinem Buch Die Kunst des Erfolgs. Ein paar Jahre später brüstete er sich damit, Vorstandsmitglied in Le Club zu sein, aber 1973 lebte er in einer Einzimmerwohnung mit Mietpreisbindung in der 196 East 75th Street. Aus der laut Trump „schäbigen, dunklen Wohnung“ blickte er auf einen Wassertank. Sein Vater Fred Trump hatte ihn 1971 zum Präsidenten der Trump Management Corporation ernannt. Der Firma gehörten Tausende von Mietwohnungen in Queens und Brooklyn, aber der junge Trump hatte sich vorgenommen, das Familienimperium auf Manhattan auszuweiten. Er wollte, schrieb er, „Städter und kein Junge aus der Vorstadt sein“. Er wollte in die Manhattaner High Society vordringen. Deshalb war er Le-Club-Mitglied geworden. Eines Abends erkannte er beim Dinner Roy Cohn an einem der nächsten Tische.
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Mit Baubeginn am Trump Tower stellte Cohn den Kontakt zu dem Mafioso Anthony (Fat Tony) Salerno erneut her, der über den sogenannten Concrete Club, die Betonlieferungen in Manhattan kontrollierte. Es war ein entscheidender Kontakt für Trump, den seine Architekten überzeugt hatten, den Wolkenkratzer mit einem massiven Betonskelett zu bauen, das fast ohne Stahlbewehrung auskam. Trump beauftragte S&A Concrete, ein Gemeinschaftsunternehmen von Salerno, dem Unterhaupt der Genovese-Familie, und Paul Castellano, dem Oberhaupt des Gambino-Clans, der 1985 im Sparks Steak House niedergeschossen wurde. Als die gewerkschaftlich organisierten Betonbauer im Sommer 1982 streikten, floß der Beton am Trump Tower weiter. „Das war eine unglaublich gute Firma, die ganze Arbeit leistete“, sagte Trump später im Wall Street Journal. „Aber es gab wohl auch Verbindungen zur Mafia.“
Trump wußte, daß er mit der Mafia Geschäfte machte. Fünf New Yorker Familien besaßen einen umfassenden Einfluß auf die Bauindustrie. Ein Bericht der New Yorker Spezialeinheit für organisiertes Verbrechen kam zu dem Schluß, daß die fünf Familien der amerikanischen Cosa Nostra „seit Jahrzehnten in der Bauindustrie der Stadt tätig gewesen sind“. Cohns Verbindungen zu seinen Mafia-Mandanten vereinfachten es lediglich für Trump, wie gewöhnlich Geschäfte zu machen.
Cohn ließ nicht nur den Beton im Trump Tower weiter fließen, er orchestrierte auch den Vorverkauf der Luxuswohnungen. Sein Mandant Robert J. Hopkins gehörte zur Lucchese-Familie und kaufte für 1,6 Millionen Dollar zwei Wohnungen im 59. und 60. Stock. Das sorgte für entsprechendes Aufsehen und brachte den Verkauf der übrigen 260 Wohneinheiten in Schwung.
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Sein Vater hatte Trump zu rücksichtslosem Streben nach Erfolg erzogen. Aber Cohn brachte ihm Taktik bei. Der Journalist der New York Times David Cay Johnston erklärte Tyrnauer, wie Cohn Trump instruierte: „Ignoriere die Regeln, mach das, was du machen willst, hinterlaß keine schriftlichen Spuren, Finger weg von Kalendern, halte nie etwas schriftlich fest, und wenn sie dir auf die Spur kommen, verpfeif andere, um dich zu retten. Verzögern, immer wieder verzögern, weil Geschworenengerichte nur begrenzt Zeit haben und du auf Zeit spielen kannst. Und hol die Medien dazu. Erzähl ihnen irgendeine erfundene Geschichte. Wir sind doch ehrliche Geschäftsleute und werden von diesen korrupten New Yorker Polizisten oder FBI-Agenten oder speziell von diesen korrupten und herzlosen IRS-Beamten attackiert. Und das sind dann die Nachrichten. Dann gerät die Regierung in die Defensive.“ Cohns Regeln wurden zu Trumps Regeln.
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